Brandschutz

Flucht- und Rettungswege

Flucht- und Rettungswege dienen zwei unterschiedlichen Zwecken. Fluchtwege dienen zur Entfluchtung von Personen im Ereignisfall, Rettungswege dem Retten von Personen und Sachen durch die Feuerwehr. Dadurch ergeben sich zwei entgegengesetzte Laufrichtungen von Flüchtenden und Rettern. Aus diesem Grund sollten bei Grossveranstaltungen Flucht- und Rettungswege getrennt geführt werden.

Allgemeine Informationen

Die Dimensionierung von Fluchtwegen ist abhängig von:

  • der maximalen Personenanzahl
  • der Geschossebene
  • der Fluchtwegbreite und -länge
  • der Anzahl der Ausgänge


Bei einer Personenbelegung eines im Erdgeschoss befindlichen Raums, mit mehr als 200 Personen, sind mindestens zwei Ausgänge mit einer Breite von 1,2 m in entgegengesetzter Richtung erforderlich.
 Für je 100 weitere Personen ist eine zusätzliche Fluchtwegsbreite von je 0,6 m vorzusehen. 1

Die Bemessungsgrundlage (0,6 m) ist auf die durchschnittliche Schulterbreite eines Menschen zurückzuführen, demnach können immer 2 Personen gleichzeitig durch eine 1,2 m breite Tür gehen.
 Die Bemessungsgrundlage von 1,2 m/200 Personen bezieht sich auf eine Entfluchtungsdauer, in der es den Besuchern möglich sein soll, eine Versammlungsstätte zu verlassen, bevor die Rauchgase eines Brandes das Atmen unmöglich machen. Für Bauentscheide (Baugenehmigungen) ab dem 1. Januar 2015 sind bei über 1,2 m Fluchtwegbreite Zwischenschritte ausserhalb des 0,6-Meter-Rasters zulässig. In der Praxis bedeutet dies, dass über einen 1,4 m breiten Ausgang rechnerisch 233 Personen entfluchtet werden können. 2


Im Freien sind pro 1,2 m Fluchtwegsbreite im „Idealfall“ zwischen 450 und 800 Personen zulässig, da hier im Brandfall nicht primär die Verrauchung, sondern andere Faktoren wie Fluchtweglänge, Treppenanlagen, Bodenbeschaffenheit, Zu- und Abwegbarkeit, Gegenströme von Besuchern etc. ausschlaggebend sind. Wie viele Personen über einen Notausgang entfluchtet werden können, muss pro Ausgang ganz individuell betrachtet werden. Hierbei hilft die Disziplin des Crowdmanagements. 3
 Die erforderliche Breite von Rettungswegen bezieht sich speziell bei Open-Air-Veranstaltungen in der Regel auf die Breite und Anzahl der Rettungsfahrzeuge (Feuerwehr und Sanität).
 Bei einer Entfluchtung bzw. Räumung (z. B. durch den Veranstalter) oder auch Evakuierung (z. B. durch die Feuerwehr) ist der Zeitfaktor bzw. die Dauer entscheidend.
 Befindet sich auf dem Fluchtweg ein Hindernis, z. B. ein Engpass, und kann die Menschenmenge nicht ungehindert vorbeiströmen, so kommt es zu Stauungen. Menschen von hinten strömen nach, während sich am Hindernis ein „Pfropfen“ bildet. Jetzt kann es zu gefährlichen Personendichten kommen, welche bis zum Ersticken der eingequetschten Personen führen können.
 Flucht- und Rettungswege sind deshalb immer frei zu halten, Türen dürfen nicht verschlossen sein oder müssen sich von innen ohne Hilfsmittel öffnen lassen!

 

1 Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF – Flucht- und Rettungswege 26.03.2003 / 16-03d

2 Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF – Flucht- und Rettungswege 01.01.2015 / 16-15de

3 SN EN 13200-1:2003 D

Bildergalerie

TA 2015

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