Basel Tattoo

Daniel Uhlmann (Head of Operation and Event Management) gibt Auskunft über die Sicherheit an einer der erfolgreichsten Open-Air-Veranstaltungen der Schweiz.

Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit beim Basel Tattoo gekommen?

Ich begann meine berufliche Laufbahn als Elektroingenieur, war zehn Jahre bei der Kantonspolizei Basel-Stadt und dann bei einem Versicherungsunternehmen tätig. Meine Tätigkeit beim Basel Tattoo war zunächst nebenberuflich, nach zwei Jahren stieg ich dann voll in das Unternehmen ein.

Können Sie für Ihre Tätigkeit bei Basel Tattoo Vorteile aus Ihrer Berufserfahrung als Polizist ziehen?

Das Wissen, wie die Ämter funktionieren, wo man anklopfen muss, war gerade in der Anfangszeit ein enormer Vorteil, der mir sehr oft weitergeholfen hat. Ebenso mein allgemeines Verständnis für Sicherheit und mein Grundwissen über Gesetze und Vorschriften. Dies ist besonders beim Aufbau eines neuen Events sehr wichtig, man möchte ja nicht in ein „falsches Gärtli“ trampen und so die Organisation erschweren.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Behörden, insbesondere der Allmendverwaltung?

Wir hatten von Anfang an ein sehr gutes Verhältnis zur Allmendverwaltung. Die Zuständigen dort sind sehr kooperativ und haben immer ein offenes Ohr für unsere sehr zahlreichen Fragen.

Welche Hindernisse gab es zu Beginn für das Basel Tattoo?

Erst war ein gewisser Vorbehalt der Bevölkerung gegenüber dem Militärischen und den zur Schau getragenen Waffen zu spüren. Weiter gab es da die Rasenfläche, die auch die Anwohner für sich nutzen wollten.

Auch bezüglich des Feuerwerks gab es Vorbehalte. War es zwar schön anzusehen, entstand auch ein entsprechender Lärm. Mit Unterstützung der Behörden konnte ein Kompromiss gefunden werden, der für alle akzeptabel war. Mit jeder Durchführung des Tattoo sammelten wir weitere Erfahrungen, passten und passen das Konzept immer wieder an.

Mit welchen Ämtern, Gesetzen und Verordnungen haben Sie zu tun?

Mit vielen: Das Bau- und Verkehrsdepartement, bzw. das Bau- und Gastgewerbeinspektorat sowie das Amt für Umwelt und Energie, die Feuerpolizei, das Amt für Wirtschaft und Arbeit, die Stadtgärtnerei, die Stadtreinigung und die Allmendverwaltung waren die wichtigsten Ansprechpartner. Sobald Tiere zum Einsatz kamen, redete auch das Veterinäramt mit. Und nicht zuletzt waren die Kantonspolizei Basel-Stadt (Fachstelle Waffen) und die Zollkreisdirektion für Zollbestimmungen, das Einführen von Waffen und Uniformen sowie Feuerwerk zuständig.

Das sind einige Behörden. Müssen Sie bei diesen überall einen separaten Antrag stellen oder koordiniert dies die Allmendverwaltung?

Grundsätzlich koordiniert die Allmendverwaltung das Genehmigungsverfahren. Erst wenn wir spezielle Wünsche haben oder eine Auflage nicht erfüllen können, nehmen wir mit der entsprechenden Behörde direkten Kontakt auf. Im Vorfeld laden wir alle beteiligten Behörden (Blaulichtorganisationen) zu zwei bis drei Koordinationssitzungen ein, an denen die Details besprochen werden.

Wie ist die Abnahme durch die Behörden organisiert und inwieweit wird eine Selbstkontrolle erwartet?

Grundsätzlich tragen wir als Veranstalter die Verantwortung. Zwei Tage vor der ersten Show gibt es vor Ort eine Abnahme durch die Behördenvertreter. Hier werden Dokumente über Statik, Messprotokolle betreffend Blitzschutz und Elektroinstallationen verlangt, Fluchtwege und Beschilderungen geprüft etc. Das Feuerwerk der Show muss zweimal (einmal tagsüber und einmal nachts) komplett abgebrannt werden – hier mussten wir Lehrgeld bezahlen, denn das sind Kosten, die wir zu Beginn nicht einkalkuliert hatten. Selbstverständlich führen wir intern täglich Kontrollen durch, damit wir die bestmögliche Sicherheit garantieren können.

Können Sie etwas zu den Zahlen und Dimensionen des Basel Tattoo sagen?

Wir haben ca. 120’000 Zuschauer – verteilt auf 15 Shows sind das etwa 8’000 Besucher pro Show. Es gibt eine Parade durch die Stadt, welche je nach Wetter 120’000 bis 140’000 Personen anzieht. Zwischen 800 und 1100 Mitwirkende, 500 freiwillige Helfer. 20 Festgestellte, welche während der Veranstaltungsphase auf ein 44-köpfiges OK aufgestockt werden. Zwei Fernsehaufzeichnungen und diverse begleitende Aktionen wie Konzerte und Paraden. Für die Vorbereitung der Show benötigen wir ca. 5 Tage Probezeit. Es gibt immer wieder Specials in der Show, wie etwa Tiere, Flugzeuge oder Motorräder. Wir arbeiten mit einem Budget von ca. 16 Millionen CHF, buchen 1000 Hotelzimmer und geben bis zu 35’000 Mahlzeiten ab.

Wird das Personal, insbesondere die Einlasshelfer, in Sicherheitsfragen geschult?

Wir organisieren ein Helfermeeting, an dem Sicherheitsthemen wie Notausgänge, Notfallszenarien usw. besprochen werden. Einige Tage vor der ersten Veranstaltung werden die Helfer in ihren einzelnen Gruppen gebrieft und entsprechend geschult. Vor den Shows gibt es nochmals ein Briefing mit Updates zu aktuellen Themen, etwa zu den Wetterverhältnissen.

Wie ist Ihr Sicherheitskonzept aufgebaut?

Es bestehen ein Organigramm und ein Beschrieb, in dem alle sicherheitsrelevanten Stellen definiert sind. Erreichbarkeit, Kommunikation, Zutrittsberechtigungen auf dem Areal. Notfallszenario, was passiert im Ereignisfall, wie ist der Krisenstab zusammengesetzt, solche Dinge. Sicherheitsrelevante Punkte, die vor jeder Show geprüft werden.

Wer entscheidet im Ereignisfall?

Der Produzent hat die Entscheidungsgewalt in enger Zusammenarbeit mit dem Sicherheitschef. Ihnen steht der Krisenstab beratend zur Seite. Mit dem Publikum wird über den „Speaker“ kommuniziert, er ist Teil des Krisenstabes.

Wie weit strahlt Ihr Anlass aus? Wie sind die Verflechtungsbereiche?

Der ÖV stockt seine Kapazitäten für uns punktuell auf. Ein Teil der Personen wählt den Fussweg durch die Stadt und steigt am Claraplatz ins Tram. Die Tattoo Street zieht bei gutem Wetter bis zu 2’500 Personen an, was die Abreisesituation zusätzlich entspannt.

Gibt es ein Controlling, ob die Sicherheitsmassnahmen greifen? Werden aufgrund aktueller Gegebenheiten Anpassungen vorgenommen?

Jeden Abend nach der Show gibt es ein Sicherheitsdebriefing, bei dem kommuniziert wird: Wie viele Notfälle gab es? Was ist passiert? Was ist innerhalb oder ausserhalb der Arena passiert? Dies ermöglicht uns, Anpassungen gleich auf den nächsten Tag vorzunehmen.

Gibt es Lärmschutzmessungen?

Die Behörde misst zwei bis drei Mal auf Grundlage der Schall- und Laserverordnung in der Tattoo Street und in der Arena. Wir haben unsere Pegel gut im Griff und haben hier eigentlich nie Probleme.

Gibt es ein Absagekonzept? Wohin mit den Menschen im Notfall, z. B. bei einem Unwetter?

Einen Teil der Besucher können wir über unsere Partner (Radio), Social Media und unsere Website erreichen. Die Personen, die dennoch auf Platz kämen, könnten wir in den umliegenden Gebäuden unterbringen und so z. B. vor einem Unwetter schützen. 

Tauschen Sie sich mit anderen Sicherheitsverantwortlichen aus? Sind Ihnen Aus- und Weiterbildungsangebote in der Schweiz zum Thema Veranstaltungssicherheit bekannt?

Der Austausch mit anderen Veranstaltern im In- und Ausland ist sehr wertvoll für mich. Bildungsangebote sind mir keine bekannt – es ware toll, wenn es so etwas in der Schweiz gäbe.

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