CelsiusPro

Umwelteinflüsse können insbesondere für Open-Air-Veranstalter existenzbedrohend sein. Wie kann ich mich gegen Regen, Hitze oder Schneefall versichern? Welches sind die massgebenden Faktoren für eine Auszahlung der versicherten Summe, und mit welchen Kosten muss ich rechnen? Diese und weitere Fragen beantwortet Peter Steiner von Celsius Pro.

Gegen welche Ausfallrisiken kann eine Veranstaltung grundsätzlich abgesichert werden?

Es gibt z. B. die sogenannte Festival Cancellation Insurance (Respektive Ausfallversicherung), die dann greift, wenn ein Festival durch ein öffentliches Organ – Polizei oder Feuerwehr – abgesagt wird. Dafür muss die Behörde kommunizieren, dass die Veranstaltung aufgrund von Gefahr von Leib und Leben abgesagt werden muss. Zusätzlich muss noch der Wetterparameter eintreten, damit es zu einer Versicherungsleistung kommt. Bei uns sind das klassische Wetterversicherungen (Wetterderivate), die nicht an einen Ausfall gebunden sind. Das heisst, der Kunde muss gar nicht beweisen, dass er einen Umsatzrückgang oder eine Veranstaltungsabsage hatte. Massgebend für eine Auszahlung sind dann einzig die Messwerte der Wetterstationen. Dabei können verschiedene Parameter versichert werden – unter anderem Regen, was bei Events zumeist der Fall ist. Man kann auch Windgeschwindigkeiten absichern: Da stellt sich aber immer die Frage, wo sich die Wetterstation befindet, vielleicht ist die ja sehr weit vom Veranstaltungsgelände entfernt. Und Windstärken sind ja doch lokal sehr verschieden. Weiter sind Temperaturen absicherbar; eigentlich alles, was an einer Wetterstation messbar ist, kann entsprechend versichert werden.

Wer legt den Schwellenwert für die Parameter – z. B. Regen – fest?

Wir schauen uns mit dem Veranstalter in Verbindung mit der Wetterstation die Tage an, an denen sein Festival stattfindet. Dann schauen wir nach, welche Niederschlagsmengen in der gleichen Zeit, respektive in diesem Zeitfenster in der Vergangenheit gemessen wurden. Anhand dieser Daten einigt man sich dann zusammen mit dem Veranstalter auf einen passenden Schwellenwert. 

Sie nehmen also den Schnitt der vergangenen zehn Jahre und ermitteln daraus den Schwellenwert?

Nicht unbedingt genau im Schnitt, das kommt auch aufs Zielpublikum an. Es gibt Punkrock-Festivals, da setzt man den Schwellenwert eher höher an. Bei einer Open-Air-Oper hingegen ist der Wert eher bei Null, denn da verliert der Veranstalter schon dann Einnahmen, wenn es nur ein bisschen regnet.

Wird dabei eine bestimmte Summe versichert?

Genau: Der Kunde sagt, welche Regenmenge für ihn welches Risiko bedeutet (Gewinnrückgang und Unkosten). Für dieses Risiko bezahlt er dann natürlich eine Prämie, die aufgrund der Historie berechnet wird. Die Prämie muss spätestens 20 Tage vor Veranstaltungsbeginn bezahlt werden. Wir empfehlen unseren Kunden, die Versicherung 3 Monate vor Veranstaltungsbeginn abzuschliessen. Denn dann berechnen wir die Prämie nur aufgrund der historischen Daten. Je näher das Startdatum rückt, desto wichtiger wird der aktuelle Wetterbericht bei der Berechnung der Prämie. Das heisst, die Versicherung kann dann teurer werden.

Wie viele Veranstalter in der Schweiz schliessen eine solche Versicherung bei Ihnen ab?

Das sind einige – eine höhere zweistellige Zahl. Wir haben sehr viele kleine Festivals und Sportveranstaltungen, aber auch grössere Open-Air-Events wie das Open Air Gampel oder die Streetparade.

Gibt es noch andere Unternehmen in der Schweiz, die solche Versicherungen anbieten?

In der Schweiz sind wir die einzigen, eigentlich sogar weltweit in dieser Form und für Events. Natürlich gibt es das klassische Wetterrisikomanagement bei den Rückversicherungen, nur würden die nicht mit einem Festival eine Versicherung abschliessen. Dort werden bedeutend grössere Risiken versichert.

Sie sprachen Eingangs von einer Festival Ausfallversicherung wie errechnet sich hierbei die Aus zu zahlende Summe?

Die Auszahlung findet nicht sofort statt. Es muss erst alles gegengerechnet und in Rechnung gestellt werden. Es ist recht aufwändig in der Abwicklung. Der Veranstalter muss offenlegen, wie viele Tickets im Vorverkauf abgesetzt wurden, wie viel Geld schon ausgegeben wurde usw. Die Differenz wird dann bis zu einem Maximalbetrag gedeckt.

Die Auszahlung unserer Wetterversicherungen (Wetterderivate) findet jedoch sofort, spätestens 15 Tage nach Verfallsdatum der Risikoperiode statt. Einzig und alleine ausschlaggebend für die Auszahlung sind die Messwerte der vertraglich abgemachten Wetterstation.

TA 2015

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!