FC Basel 1893

Gerold Dünki, Sicherheitsverantwortlicher des FC Basel 1893, äussert sich zur Kommunikation mit den Fans, zum Einfluss der Liga und zur Zusammenarbeit mit den Behörden – und einer überraschenden Greenpeace-Aktion.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang? Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit beim FC Basel 1893 gekommen?

Ich habe ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Anschliessend war ich zwei Jahre als Informatiker tätig, danach bei der Polizei. Ich habe mich daraufhin im Bereich der Informatik selbstständig gemacht. Irgendwann erzählte mir eine ehemalige Arbeitskollegin der Polizei, dass der FC Basel 1893 (FCB) einen Sicherheitsverantwortlichen suche. Nach kurzer Zeit war klar, dass ich die Aufgabe übernehmen würde. Mittlerweile arbeite ich in einer 30-%-Festanstellung und bin ausserdem weiterhin als selbstständiger Informatiker tätig.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit anderen Clubs bei auswärts Spielen aus?

Früher war ich bei jedem Auswärtsspiel mit dabei, dies hat mittlerweile mein Stellvertreter übernommen: Er geht mit der so genannten „Crew“ zu den Spielen und koordiniert dort mit dem Sicherheitsapparat vor Ort den Einsatz.

Das heisst, es gibt eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Clubs und Stadien?

Die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsverantwortlichen von anderen Clubs aber auch Stadien ist recht gut. Das hat auch damit zu tun, dass die Swiss Football League (Liga) Ausbildungstage für Sicherheitsverantwortliche anbietet. Dort lernt man sich kennen und versucht, in die gleiche Richtung zu gehen. Das ist nicht immer ganz einfach, weil die Gegebenheiten völlig unterschiedlich sind. Wenn Sie sich z. B. das Stadion Brügglifeld in Aarau anschauen und im Vergleich dazu unseres, dann ist das eine ganz andere Geschichte. Trotzdem möchte man erreichen, dass der Gast überall zumindest ähnlich empfangen wird. Dass überall das so genannte „Good Hosting“ da ist, dass Toiletten parat sind, dass Catering vorhanden ist, dass die Kontrollen in etwa überall gleich durchgeführt werden.

Wie kann ich mir das Sicherheitskonzept für das Stadion vorstellen? Ist es gebäudebezogen und wird dann für jede Nutzung situativ angepasst?

Wir müssen jedes Jahr ein Sicherheitskonzept an die Liga abgeben, das ist lizenzrelevant. Im Sicherheitskonzept ist angegeben, wo die Eingänge sind, wie viele Drehkreuze es gibt, wie viele Leute an jedem Drehkreuz sind, was wo wie kontrolliert wird usw. Dann haben wir eine so genannte Eventualplanung, in der wir mögliche Ereignisse skizzieren und die Lösungen und Handlungsabläufe von vergangenen Ereignissen aufgezeichnet haben. Das ist seit rund zwei Jahren Pflicht, wir haben es jedoch vorher schon so gemacht. Die Liga prüft das Sicherheitskonzept und sendet gelegentlich Sicherheitsdelegierte, die vor Ort im Stadion schauen, ob die im Sicherheitskonzept beschriebenen Massnahmen tatsächlich so umgesetzt werden.

Stellt die Liga eine Sportart-interne Kontrollfunktion dar mit Regeln, die man sich quasi selbst auferlegt, bevor der Staat eingreift?

Das ist richtig. Der Staat greift auch ein – aktuell durch das Sicherheitskonkordat, das eine Bewilligungspflicht einführen möchte. Wir in Basel kennen schon seit Beginn meiner Tätigkeit für den FCB eine Bewilligungspflicht. Wir müssen für jedes Spiel eine Bewilligung von der Polizei einholen, ob wir den Match durchführen dürfen und unter welchen Voraussetzungen. Insofern überwachen der Kanton Basel und die Stadt Basel, ob wir dies so umsetzen, wie es bewilligt wurde. Seit vielen Jahren haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei: Vor jedem Spiel gibt es ein Treffen, in dem z. B. über den Alkoholausschank gesprochen wird. Bei Hochrisikospielen wird kein Alkohol ausgeschenkt und es werden weitere private Sicherheitskräfte hinzugezogen.

Wie kann ich mir die Sicherheitszentrale im Stadion vorstellen – wer sitzt darin, wer trifft die Entscheidungen?

Wir haben einen Kontrollraum, wo der Speaker sitzt, nebenan gibt es einen grösseren Raum mit zwei bis drei Operatoren, die Kameras bedienen und die Monitore überwachen. Dann ist der Funkkoordinator vom Stadion und der Funkkoordinator der Polizei vor Ort, diese sind operativ tätig. Daneben sind die Einsatzleiter der Polizei und der Rettung (Feuerwehr und Sanität), der Leiter Stadiondienst Beat Meier und ich selbst als Sicherheitsverantwortlicher für den FCB vor Ort. Das Entscheidungs-Gremium besteht aus Einsatzleiter Polizei, Rettung und mir. So lange wir das Ereignis selbst bewältigen können, treffe ich die Entscheidungen. Natürlich spricht man sich ab, man kennt sich ja durch die jahrelange Zusammenarbeit gut. Denn sobald wir etwas nicht mehr selber stemmen können, übernimmt die Polizei. Darum ist es gut, sich vorgängig mit der Polizei abzusprechen und eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Für viele Fälle gibt es feste Abläufe, die aus den gemachten Erfahrungen resultieren. Es gibt aber auch neue Situationen, in denen man spontan entscheiden muss.

Welche Rolle spielen Social Media bei der Vorbereitung eines Spieles?

Doch man schaut schon rein, wobei das mehr die Aufgabe der Szenenkenner der Polizei ist. Im Vorfeld haben wir einen Entschlussfassungsrapport bei der Polizei, bei dem alle involvierten Stellen dabei sind. Dort erfolgt ein Informationsaustausch unter den Szenenkennern. Wir sind gut Informiert – wenn ein Club kommt, dann wissen wir in der Regel über geplante Aktionen Bescheid.

Wie kontrollieren Sie an den Eingängen? Es ist vom Aufwand her ja nicht möglich, jede Person genau zu kontrollieren.

Wir hatten beispielsweise auch die Vorgabe von der Liga, dass im Gästesektor jede Person kontrolliert wird. Wir als FC Basel haben schon lange gesagt, wir möchten von diesem Bodysearch wegkommen und lediglich Stichproben durchführen. Tatsächlich haben wir jetzt die neue Regelung, nach der wir im ganzen Stadion punktuell kontrollieren, das kann z. B. in der Muttenzerkurve jede 5. Person sein und in anderen Bereichen jede 20. oder 30. Bei der Effektenkontrolle weisen wir unsere Mitarbeiter an, jede Tasche und jeden Rucksack zu kontrollieren.

Darf ich Sie auf die Greenpeace-Aktion ansprechen? Empfanden Sie diese als eine bedrohliche Situation, oder war das eher ein gefundenes Fressen für die Presse?

In dem Moment, in dem ich wusste, dass es eine Greenpeace-Aktion geben wird, dachte ich zwar: „Das darf doch nicht wahr sein!“ – aber es war sicherheitsmässig kein Problem. Das Ganze ist so abgelaufen: Ich habe ca. 2 Minuten vor Spielbeginn vom Verbindungsmann bei der Polizei über Funk erfahren, dass eine Greenpeace-Aktion stattfindet. Eine friedliche Aktion, die keine Bedrohung darstellt und nach 10 Minuten wieder vorbei sein wird. Was die Presse natürlich nicht zu Unrecht aufgenommen hat: Wie ist es überhaupt möglich, da raufzukommen? Wir sind kein Hochsicherheitstrakt, und wenn Greenpeace es schafft, auf den Kühlturm eines Atomkraftwerkes zu kommen, dann stellen wir doch ein leichteres Ziel dar. 

TA 2015

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