Komvent

Interview Komvent – Mark Straehl. 

Wie ist dein Werdegang – und wie bist du zu deiner heutigen Tätigkeit gekommen?

Ursprünglich komme ich aus der 5-Sterne-Hotellerie und habe seither viel im Projektmanagement gearbeitet – dies auch innerhalb der Eventbranche, was meiner jetzigen Tätigkeit entspricht. Zwischenzeitlich habe ich mich sehr viel mit Kommunikation und Innovationsprozessen beschäftigt. Ich war bei Toyota und bei einer im Bereich Nachhaltigkeit führenden Agentur – im Prinzip ging es immer darum, Probleme zu lösen und Projekte zu managen.

Mein Unternehmen Komvent habe ich vor rund vier Jahren gegründet, wobei ich auch schon zuvor nebenberuflich eigene Kunden betreute.

Aus welchen Bereichen kommen deine Kunden?

Das sind einerseits Agenturen aus den Bereichen Event, PR und Kommunikation oder Cateringunternehmen, die mich ins Boot holen, wenn sie Projekte am Start haben, die ihre Ressourcen übersteigen oder in der französischen Sprache abgewickelt werden müssen – ich bin zweisprachig aufgewachsen. Der zweite Kundenkreis sind KMUs, die sich nie an eine Agentur wenden würden, weshalb ich meinem ersten Kundenkreis auch niemals in den Weg komme. Ich nehme nicht an Pitches teil und versuche mich so weit es geht aus dem Kreativen und dem Konzeptionellen herauszuhalten. Selbstverständlich biete ich diesen Teil gewissen Kunden an, sehe mich aber primär als Dienstleister im Bereich Kommunikation und Events und nicht als Eventagentur.

Um welche Art und Grösse von Events geht es bei deinen Kunden?

Die Projekte, an denen ich arbeite, verändern sich von Jahr zu Jahr. Im letzten Jahr war ich vor allem im High-End-Corporate-Bereich unterwegs; dabei geht es oft um das Zusammenspiel von Entertainment, Hospitality und Food & Beverage. Ich betreue demnächst einen mehrtägigen Event, bei dem je nach Veranstaltung zwischen 100 und 20’000 Teilnehmer erwartet werden.

Welchen Stellenwert nimmt die Sicherheit für deine Kunden ein?

Sicherheit nimmt einen sehr grossen Stellenwert ein. Die Menschen kommen zusammen, um positive Erlebnisse zu haben; ein Unfall – egal ob bei einem Mitarbeiter oder einem Gast – bringt die gute Stimmung schnell ins Wanken.

Gibt es Differenzen zwischen Auftraggebern und Planern? Und ist es schwierig, den Kunden von bestimmten Massnahmen zu überzeugen?

Das kommt von Projekt zu Projekt darauf an; bei meiner Arbeitsweise ist dies Teil des Prozesses. Ich möchte hauptsächlich mit Personen arbeiten, die ich persönlich kenne, mit denen ich ein Vertrauensverhältnis pflege und die meine Arbeitsweise kennen.

Sicherheit kostet mitunter auch Geld. Wie ist hier die Bereitschaft der Kunden, zu investieren?

Bei den allermeisten meiner Events herrscht ein Vertrauensverhältnis zwischen mir, den Auftraggebern und den Lieferanten. Sprich: Wir haben sehr wenige solcher Diskussionen.

Natürlich gibt es Kunden, die das Auto vor den Notausgang stellen, da es sonst zu weit von der Bühne entfernt ist. Dann reklamiert der Sicherheitsbeauftragte, es wird ausdiskutiert und am Schluss wissen wir alle, wie es läuft. Im schlimmsten Fall gibt es ein paar weitere Notausgangschilder, die auf andere Ausgänge verweisen und einen Securitymann mehr. In der Eventbranche gibt es immer Kompromisse und Lastminute-Lösungen; das kriegt man nie ganz weg…

Inwieweit hast du mit Behörden zu tun? Und: Wie viele Events spielen sich in nicht abgenommenen Veranstaltungsräumen ab?

Ich habe sehr selten Kontakt mit Behörden. Der Kontakt läuft meistens über die Sicherheitsverantwortlichen. Bei Corporate Events im High-end-Bereich wird selten ans zugelassene Limit gegangen. Eher bucht man eine 5000er-Halle und belegt sie mit maximal 1000 Personen – an solchen Events braucht man Bewegungsfreiheit. Dadurch sind Sicherheitsthemen oft nicht so kritisch.

Hast du mit Sonderbauten und deren Abnahmen zu tun?

Dadurch, dass ich zum grössten Teil mit der Umsetzung, also dem Ablauf, der Regie und der Logistik beauftragt bin, bleibt dieser Teil bei den Eventagenturen. Ich biete Dienstleistungen zu einem fairen Preis an und verrechne sie direkt weiter. Bei kreativ-planerischen Vorarbeiten – auch beim Erstellen von Sonderbauten – ist dies meist erst nach Auftragserteilung möglich.

Wie reagierst du auf Mängel, die du vor Ort entdeckst?

Ein Teil meiner Leidenschaft ist es, überall zu schauen, wie der Strom angeschlossen ist, wie die Kabel verlegt sind oder ob es einen Kabelkanal hat. Wenn ich zu einem Eventler werde, der die meiste Zeit im Produktionsbüro sitzt und alles von dort steuert, dann höre ich wahrscheinlich auf. Diese Arbeitsweise entspricht mir gar nicht.

Inwiefern kommst du mit Sicherheitskonzepten in Kontakt?

Teils gebe ich eines in Auftrag bzw. frage meine Sicherheitsfirma nach ihrer Einschätzung, ob es eines braucht. Manchmal ist es auch Teil des Agenturbriefings. Wenn du die richtigen Leute auf Platz hast und es die entsprechenden Dokumente gibt, dann bist du schon extrem safe. Im Notfall kommt es dann sowieso anders als erwartet. Ich habe noch nie erlebt, dass Zwischenfälle genau so ablaufen wie im Sicherheitskonzept beschrieben. Das Sicherheitskonzept gibt die wichtigsten Grundlagen vor – im Ereignisfall geht es immer darum, wie einzelne Personen in diesem Moment reagieren.

Wird das Thema Sicherheit gleichbleibend behandelt, oder gibt es einen bestimmten Trend?

Seit den Terroranschlägen in Paris spüren wir, dass international agierende Firmen anders ticken als hiesige. Ich weiss von Kollegen, die einen internationalen Kunden betreuen, dass sie ihre Sicherheitsmassnahmen beinahe verdoppelt haben. Ich habe auch schon in anderen Ländern gearbeitet, in denen der Sicherheitsstandard weit unter dem der Schweiz liegt. Von daher können wir froh sein, dass wir in einem solchen Umfeld arbeiten können. Aber den Trend zu mehr Sicherheit gibt es, und das ist sicherlich positiv. Auch das Thema Arbeitszeiten wird immer präsenter – früher hat ein Techniker schnell einmal 20 Stunden am Stück gearbeitet, heute wird das in mehreren Schichten gemacht.

Glaubst du, dass das Thema Terror in den Köpfen bleibt? Oder wird es je länger je mehr abflauen?

Ich denke, dass uns dieses Thema die nächsten beiden Jahrzehnte beschäftigen wird. Ich beobachte, dass der Trend in die Richtung geht, dass man nicht mehr mit dem billigsten Anbieter zusammenarbeitet, sondern mit dem, dem man am meisten vertraut.

Felix Frei, CEO vom Hallenstadion, sagte einmal, er rechne wöchentlich mit Forderungen aus den USA nach Metalldetektoren und viel strengeren Einlasskontrollen.

Wir haben in der Schweiz im Moment noch den grossen Luxus, dass wir Grossveranstaltungen besuchen können, ohne durch einen Metalldetektor gehen zu müssen oder den Rucksack röntgen zu lassen. Wenn wir Glück haben, bleibt das so – und wenn nicht, werden wir uns in fünf Jahren wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern, dass es jemals anders war.

Das Ziel eines Events ist es, positive Emotionen auszulösen und einen Kunden für einen Brand, ein Produkt, Kunst oder für was auch immer zu begeistern. Das Thema Sicherheit und Prävention ist extrem positiv, so lange die Angst nicht geschürt wird. Das Schlimmste, was uns in der Eventbranche passieren kann, ist, dass wir nicht mehr von Leidenschaft und Freude geleitet, sondern von Angst gesteuert sind.

TA 2016

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