Security & Safety

Sicherheitsdienstleister decken ein weites Feld ab. Von Objekt- und Wertschutz über Personenschutz bis hin zu den verschiedensten Veranstaltungsdienstleistungen, um nur einige Bereiche zu nennen. Die Zürcher Firma Security & Safety AG hat sich auf die im Vergleich sehr kleine Sparte Veranstaltungsschutz spezialisiert und kann im Grossraum Zürich auf namhafte Referenzen wie etwa die Street Parade, das Zürich Open Air, das Open Air Frauenfeld oder freestyle.ch verweisen. CEO Marcel Hirschi steht Rede und Antwort.

Welche Auswirkungen wird das derzeit diskutierte Sicherheitskonkordat für die Branche haben?

Das Sicherheitskonkordat wäre grundsätzlich eine gute Sache. Dafür bräuchte es aber eine Einigung unter den Kantonen. Diese ist nicht abzusehen, und so schätze ich, dass die Bewilligungspflicht für Sicherheitsdienste weiterhin primär kantonal bzw. regional geregelt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Bewilligung im einen Kanton nicht zwingend in anderen Kantonen anerkannt wird und so die Bewilligungspflicht auch sehr teuer wird.

Für uns hat der 2014 erneuerte Gesamtarbeitsvertrag (GAV) viel weitergehende Folgen. Mit dem neuen Spesenreglement ist es für Sicherheitsunternehmen ohne verschiedene Sitze in der Schweiz schwierig, die eigenen Kunden weiterhin zu bedienen. Die jetzt anfallenden Fahr- und Wegspesen sind unverhältnismässig hoch. Deshalb wird ein Veranstalter aufgrund der hohen Spesenkosten dazu gezwungen, mit unterschiedlichen lokalen Sicherheitsunternehmen zusammenzuarbeiten. Die Sicherheitsunternehmen, die sich an die Gesetze halten und die Fahr- und Wegzeitentschädigungen ausbezahlen, sind gegenüber den „schwarzen Schafen“, die dies nicht tun, schwer im Nachteil. Diese Situation führt derzeit zu einem „Ablösekampf“, welcher nicht im Sinne der Qualität und schon gar nicht im Sinne der Auftraggeber ist.

Welche Ausbildung ist für Sicherheitsdienstmitarbeiter vorgeschrieben, und wie wird in der Praxis ausgebildet?

Laut GAV sind 20 Stunden Ausbildung vorgeschrieben. Was dabei vermittelt werden soll, ist nicht klar definiert – ebensowenig, wer ausbilden darf. Die meisten Unternehmen bilden die Mitarbeiter in den für sie relevanten Einsatzgebieten aus. Wir vermitteln den Mitarbeitern in der 20-stündigen Basisausbildung folgende Themen: Unternehmen und Tätigkeit, Rechtskunde, Rapportwesen, mentale Bereitschaft, Kommunikation, Brandschutz, taktische Vorgehensweise und Selbstverteidigung, Pfefferspray-Anwendung, Effektenkontrolle, Funkkommunikation. Abschliessend müssen die Teilnehmer eine Prüfung bestehen und von den Instruktoren als geeignet beurteilt werden. Tiefer gehendes Spezialwissen wird separat und objektbezogen geschult.

Wie funktioniert diesbezüglich die Kontrolle, wenn bei Grossanlässen auf das Personal von Subunternehmen zurückgegriffen wird?

Wir greifen insbesondere an Grossevents auf Sublieferanten zurück. Wir vergeben da Aufträge an uns bekannte Subunternehmen, die einen vergleichbaren Ausbildungsstandard haben. Darüber hinaus sichern wir uns so weit wie möglich über Verträge rechtlich ab und lassen uns Dokumente wie eine Kopie der Haftpflichtversicherung, AHV-/MwSt.-Anschlussbestätigungen usw. aushändigen. Vor Ort schauen wir uns die Personen vor Dienstantritt genau an. Wenn der Mitarbeiter nicht den Anforderungen entspricht, wechseln wir ihn so rasch wie möglich aus.

Woran erkennt ein Veranstalter einen seriösen Sicherheitsdienstleister?

Ein Sicherheitsunternehmen, das den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) einhält, darf meiner Meinung nach als seriös eingestuft werden. Das sind meistens Unternehmen, die im Verband Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungsunternehmen (VSSU) Mitglied sind.

Ein wichtiger Hinweis auf Seriosität ist auch der Preis: Die Sicherheitsdienstleistungen werden meistens nach Stundenaufwand verrechnet. CHF 50.00 pro Stunde sind ein Minimum, wenn der GAV eingehalten werden soll. Es kommt natürlich auch stark auf die Dienstleistung an. Je nach Qualitätsansprüchen oder Spezialausbildungen kann der Preis auch höher sein. So zum Beispiel beim Personenschutz oder anderen Spezialisierungen. Bei Preisen unter CHF 45.00 pro Stunde muss schon sehr genau hingeschaut werden, ob es sich noch um einen seriösen Anbieter handelt.

Welche Beschäftigungsmodelle gibt es in deinem Unternehmen?

Wer über 900 Stunden im Jahr arbeitet, muss gemäss GAV fest oder mit fixem Teilzeitpensum angestellt werden. Im Eventbereich arbeiten wir aber hauptsächlich mit Teilzeitangestellten auf Abruf, also ohne fixes Pensum.

Was muss ein Sicherheitskonzept beinhalten?

Die wichtigsten Inhalte eines Sicherheitskonzeptes sind die Risikoanalyse und die daraus resultierenden Massnahmen. Zudem muss es die Veranstaltungsdaten, ein Evakuationskonzept, Szenarienbeschriebe und eine Verbindungsliste beinhalten. Auch ins Sicherheitskonzept integriert wird das Verkehrs-, Brandschutz-, Sanitäts- und Abfallkonzept. Mir ist kein Gesetz bekannt, welches den kompletten Inhalt eines Sicherheitskonzeptes definiert. Es gibt aber viele Gesetze und Anordnungen, welche einzelnen Bereiche wie z. B. den Brandschutz regeln. 

Wer erstellt das Sicherheitskonzept, die Veranstalter oder du?

Der Veranstalter hat grundsätzlich die Verantwortung. Oft wird im Veranstaltungsbereich aber ein Konzept nur auf Druck von Behörden erarbeitet. Im besten Fall wird das Konzept aus eigener Motivation und in Zusammenarbeit mit einer professionellen und erfahrenen Sicherheitsunternehmung erstellt. Viele Verantwortliche haben allenfalls einen militärischen Hintergrund oder sind in einem Verein tätig und bringen somit ein gutes Grundwissen mit. Sie bauen das Sicherheitskonzept dann auf dieser Wissensbasis auf, was aber bei (Gross-)Veranstaltungen oft nicht zielführend ist. Den meisten fehlt es schlicht und einfach an der Erfahrung. Am Ende ist auch die Akzeptanz des Sicherheitskonzepts durch die verantwortlichen Behörden entscheidend, und da können gut gemeinte, aber verwirrend formulierte Sicherheitskonzepte oft kontraproduktiv wirken.

Wer ist für die Sicherheit auf einer Veranstaltung verantwortlich?

Grundsätzlich der Veranstalter. Der Sicherheitsdienstleister kann nur im Rahmen eines konkreten Auftrages für einen definierten Bereich die Verantwortung übernehmen. Die Verantwortung für den korrekten Aufbau einer Bühne könnte ich z. B. nicht übernehmen, da ich kein Statiker bin. Ich kann jedoch überprüfen, sofern dies mein Auftrag ist, ob verlangte Mess- oder Prüfprotokolle erstellt wurden. Eine Sicherheitsfirma ist meistens unterstützend tätig. Ich erarbeite im Auftrag des Veranstalters ein Sicherheitskonzept. Die Behörden prüfen dies und erteilen meist auf dieser Grundlage die Bewilligung. Für die Umsetzung ist dann wiederum der Veranstalter (Bewilligungsinhaber) verantwortlich. 

Wer verlangt ein Sicherheitskonzept?

Die meisten Gemeinden fordern heute  ein Sicherheitskonzept. Was darin enthalten sein soll, unterscheidet sich allerdings stark. Meist sind nur die Basics gefordert, und es mangelt auf Seiten des Veranstalters und der Behörde oft an Kenntnis, das Thema umfassend zu behandeln.

Wie funktioniert die Kommunikation? Von oben nach unten und zurück?

Für jede Grossveranstaltung gibt es auf Seiten Auftraggeber einen Sicherheitsverantwortlichen. Der einzelne Mitarbeiter arbeitet auf den Grundlagen eines klar definierten Auftrages, welcher aus dem Sicherheitskonzept abgeleitet wird. Diese so genannten Arbeitsanweisungen werden meist schriftlich verfasst und dem Mitarbeiter abgegeben. Am Veranstaltungstag bespricht der Einsatzleiter die Arbeitsanweisungen mit den Mitarbeitern, die sie umsetzen müssen, kontrolliert laufend und stellt sicher, dass sie auch korrekt und verhältnismässig umgesetzt werden. Umgekehrt meldet der Mitarbeiter dem Einsatzleiter ungewöhnliche Ereignisse. Dieser entscheidet nach zuvor festgelegten Kriterien, ob er den Veranstalter involvieren soll, oder ob er das Problem alleine lösen kann.

Wie können Helfer des Veranstalters bei Einlasskontrollen eingesetzt werden?

Die Frage ist, was alles zur Einlasskontrolle gehört. Es gibt die Zutrittskontrolle (gültiges Ticket/Bändchen oder Stempel), wobei da auch noch das Alterslimit für den bewilligten Alkoholausschank beachtet werden muss. Zudem wird meist eine Effektenkontrolle durchgeführt, damit keine verbotenen oder unerlaubten Gegenstände auf das Gelände gelangen. Wie konsequent diese ganze Eingangskontrolle stattfinden soll, entscheidet primär der Veranstalter.

Grundsätzlich ist es nicht zu empfehlen, unausgebildete Mitarbeiter mit Aufgaben wie Zutritts- bzw. Effektenkontrolle zu betrauen. Bei Grossveranstaltungen kommt es vor, dass der Veranstalter die Mitarbeiter für verschiedene Aufgaben in Eigenregie organisiert, um Kosten zu sparen. Diese müssen dann aber zwingend mit ausgebildeten Sicherheitspersonen zusammenarbeiten. Der Eingangsbereich ist gerade bei grösseren Veranstaltungen eine der heikelsten Stellen. Ein Einsatz von solchen „Helfern“ ist aber aus gesetzlichen Gründen (Bewilligung für die Tätigkeit im Sicherheitsbereich) nicht in jedem Kanton möglich. 

Was und wie tief kontrolliert Ihr am Eingang und wie viel Zeit bleibt für die Kontrolle pro Person?

Das entscheidet grundsätzlich der Kunde. Ich erlebe oft einen so genannten „Light Search“: „Erfahrungsgemässe Suche“ nach Auffälligkeiten, allenfalls Flaschenkontrolle, Rucksäcke und Taschen nach unerlaubten Gegenständen untersuchen – fertig. Beim „Light Search“ dauert das im Schnitt etwa 5 bis 10 Sekunden pro Person. Das hängt etwas von der Jahreszeit ab, weil im Sommer deutlich weniger Kleider getragen werden.

Wie informiert Ihr das Publikum im Ereignisfall?

Am besten erreicht man das Publikum über einen Künstler oder Moderator. Diese sind dem Publikum bekannt und werden am ehesten akzeptiert. Zudem müssen zwingend Durchsagen vorbereitet werden, die man dann ganz einfach per CD oder einem Speicherstick abspielen kann. Wir haben für die Streetparade mehrere Szenarien entwickelt. Man muss aber stets flexibel bleiben und situativ entscheiden können, welche Massnahme oder welcher Text am ehesten passt. Zudem wurde für die Streetparade eine technische Möglichkeit gefunden, so dass über alle Bühnen und Lovemobiles Notfalldurchsagen gemacht werden können. Ohne Strom, z. B. nach einem Blitzeinschlag, ist eine Durchsage mitunter nicht mehr möglich. Hier helfen dann Megaphone, welche an verschiedenen Orten dafür platziert werden.

Wer entscheidet über eine Evakuierung des Veranstaltungsgeländes?

Handelt es sich um eine nicht von Behördenseite angeordnete Massnahme, sprechen wir von einer Evakuierung, darüber entscheidet der interne Krisenstab. Eine Räumung wird im Notfall von der Polizei angeordnet und durchgesetzt.

Welches ist das grösste Risiko für einen Open-Air-Event?

Eindeutig das Wetter! Wer wann was entscheidet (z. B. eine Evakuation), wird im Sicherheitskonzept festgelegt. Als Sicherheitsdienstleister habe ich eine beratende Funktion und muss in einer Krisensitzung mit meinem Stab die Fakten darlegen, damit eine vernünftige Entscheidung durch den Veranstalter getroffen werden kann. Solche Krisensitzungen sollten für die Nachbearbeitung schriftlich protokolliert werden.

Bildergalerie

TA 2015

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!