Stadtraum und Veranstaltungen

Erich Felber von der Dienstabteilung Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern berichtet über die Qualität von Sicherheitskonzepten, praktische Massnahmen gegen zu hohe Personendichten, Abnahme von Fahrnisbauten – und gibt wertvolle Schallschutz-Tipps.

Sind Sie die zentrale Anlaufstelle für Veranstalter in der Stadt Luzern?

Wenn Sie als Veranstalter etwas Grösseres vorhaben, egal, ob in der Stadt oder im Kanton Luzern, dann kommen Sie zu uns. Wir kümmern uns um sämtliche Abklärungen, auch um die politischen. Von Beginn an sind wir Ansprechpartner für den Gesuchsteller bzw. für den Veranstalter. Es kann natürlich auch sein, dass das Vorhaben des Veranstalters nicht umsetzbar ist. Wir stellen die Verbindung zum Kanton und den einzelnen Behörden her; wenn es um Details geht, verweisen wir den Veranstalter direkt an die jeweilige Behörde.

Laut Ihrer Website benötigt eine Veranstaltung ab 150 Besuchern ein Sicherheitskonzept. Ist dies in jedem Fall so?

Bei uns wird in den nächsten Tagen ein neues System eingeführt, in dem für die Beurteilung, ob es ein Sicherheitskonzept braucht, nicht mehr allein die Quantität ausschlaggebend ist, sondern auch weitere Faktoren wie z. B. Lage und Art der Veranstaltung. Es wird eine neue Applikation geben, auf der sicherheitsrelevante Inhalte abgefragt werden können.

Was muss ein Sicherheitskonzept beinhalten?

Wir händigen dem Veranstalter auf Nachfrage eine Vorlage für das Sicherheitskonzept aus, an der er sich orientieren kann. In diesem Dokument werden der Krisenstab, die Krisenkommunikation, Notfallszenarien und weitere Punkte beschrieben. Professionelle Veranstalter haben in der Regel ein eigenes Sicherheitskonzept. Veranstalter, die sich überhaupt nicht mit der Materie befassen, erhalten von uns eine einfach gehaltene Vorlage.

Kann ein unerfahrener Veranstalter überhaupt ein Sicherheitskonzept erstellen?

Für eine Grossveranstaltung sicher nicht. Ich staune zwar manchmal über gute Sicherheitskonzepte von Laien, habe aber auch schon mangelhafte Sicherheitskonzepte von professionellen Sicherheitsunternehmen gesehen. 

Woher nehmen Sie Ihr Wissen für die Beurteilung von Sicherheitskonzepten?

Wir verwenden unter anderem ein Dokument der Schweizerischen Stiftung für Risikoberatung, erschienen beim Verlag Arbeitssicherheit Schweiz. Es ist einfach aufgebaut und enthält viele Checklisten. Zudem ziehen wir Stellen wie zum Beispiel die Polizei, Feuerwehr oder den Rettungsdienst mit ein.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern – ziehen alle an einem Strang oder kommt es öfter zu einem Interessenkonflikt?

Grundsätzlich ziehen wir alle an einem Strang. Dabei ist es vielleicht gut, dass wir auch die Sichtweise der Veranstalter kennen.

Gibt es eine Koordination zwischen Ihrer Dienstabteilung und dem Tiefbauamt, um Kollisionen zwischen Baustellen und Veranstaltungen zu vermeiden?

Es gibt sogar die Onlineplattform „Baustellenkoordination“, und bei der Stadt Luzern ist eine Person zuständig, die bestens über geplante Baustellen Bescheid weiss. Erwarten wir Engpässe, muss der Veranstalter seinen Aufbau verändern, oder die Baustelle muss soweit wie möglich zurückgebaut werden.

Wer ist für die Abnahme von Fahrnisbauten verantwortlich?

Es gibt von der Gebäudeversicherung des Kantons Luzern eine Arbeitshilfe (Dokument), bei mittleren und grossen Veranstaltungen erfolgt die Kontrolle dann durch die Feuerpolizei. Bei grossen Veranstaltungen wie dem Blue-Balls-Festival oder dem Luzerner Fest sind wir mit dabei.
Wir inspizieren aber nicht alle Details, bei auffälligen Bauten – etwa wenn Plastikfolie an dünne Latten getackert wird – intervenieren wir schon. Der Lead zum Thema Brandschutz bleibt aber bei der Feuerpolizei. Die Verantwortung liegt jedoch immer beim Veranstalter, die beauftragten Lieferanten, z. B. Bühnenbauer, haften gegenüber dem Veranstalter.

Gibt es eine bestimmte Personendichte, die ein Veranstalter eines Open-Air-Events nicht überschreiten darf?

Das ist auf öffentlichem Grund sehr schwierig. Eine bestimmte Maximalzahl von Personen pro Quadratmeter geben wir nicht vor. Wenn wir oder die Polizei merken, dass es zu eng wird, schreiten wir ein. Beim Luzerner Fest hatten wir den Fall, dass zwei Bühnen wechselseitig mit jeweils 10 Minuten Pause bespielt wurden. Dort wurde es sehr eng.
Wir haben dem Veranstalter für die Folgeveranstaltung Auflagen gemacht:
1. Beide Bühnen werden gleichzeitig bespielt
2. Keine grossen Topacts, um den Besucherandrang zu reduzieren

Die Steuerung des Publikums erfolgt jetzt also über das Programm, was sich bewährt hat.

Wenn jetzt beide Veranstaltungen gleichzeitig zu Ende sind, haben Sie dann einen Engpass am Bahnhof?

Ein Engpass wäre theoretisch nach dem Feuerwerk möglich, durch die räumliche Trennung der Hauptattraktionen lichtet sich das Besucheraufkommen aber schon recht gut. Auch nach dem Feuerwerk bleibt das F&B-Angebot bestehen, dadurch bleiben sicherlich einige Besucher auf dem Veranstaltungsgelände. Die Wirkung dieser Massnahmen beobachten wir beim kommenden Luzerner Fest.

Gibt es in Luzern Veranstaltungen mit Zutrittskontrollen auf öffentlichem Grund?

Wir haben alle zwei Jahre ein Gratis-Open-Air, dort werden an den Eingängen Zutrittskontrollen durchgeführt, und die Besucher werden gezählt. Für diesen Anlass wird die maximale Besucheranzahl aufgrund der Fluchtwegbreiten festgelegt.

Wie berechnen Sie die Anzahl der Toilettenanlagen?

Das hängt von der Veranstaltungsdauer und vom Getränkeangebot ab. Grob rechnen wir mit einem WC auf 150 Personen. Das hängt natürlich auch stark von der Art der Veranstaltung ab; bei einem Marathon braucht es sicher mehr Toilettenanlagen, da die Teilnehmer vor dem Start alle nochmal müssen.

Zum Thema Anwohnerschallschutz: Wer misst wo?

In erster Linie gilt die Schall- und Laserschutzverordnung. Bei Konzerten muss der Veranstalter das Messprotokoll der Eventtechnikfirma vorweisen. Das ist bei uns in den Auflagen enthalten. Gegenüber den Anwohnern legen wir uns nicht auf Dezibelwerte fest, es kommt immer auf die Verhältnismässigkeit und dementsprechend auf die Veranstaltungsgrösse an. Ganz wichtig ist hier die Kommunikation; beim Luzerner Fest wird das über die Medien gemacht. Wenn wir ein kleineres Konzert haben, dann wird zusammen mit dem Veranstalter definiert, welche Haushalte im Umkreis ein Flugblatt mit der Hotline-Nummer des Veranstalters erhalten müssen. Wir empfehlen den Veranstaltern, die nächsten Anwohner einzuladen, das hilft schon extrem.

Hatten Sie schon Probleme mit dem Mobilfunknetz bei Veranstaltungen? Wie organisieren Sie allgemein die Kommunikation?

Vor einer Grossveranstaltung wird das Mobilfunknetz von den Netzbetreibern mit zusätzlichen Antennen verstärkt. Ein Ausfall ist mir nicht bekannt. Falls es zu einer Krise kommt, informieren wir über Social Media, Lautsprecher usw. Für unsere Herbstmesse z. B. arbeiten wir mit vorprogrammierten SMS-Warnungen. In denen fordern wir die 180 Stand- und Fahrgeschäftebetreiber auf, ihren Betrieb einzustellen und die Besucher über die Beendigung der Veranstaltung zu informieren.

Adrian Zemp, Crowd Manager bei der Stadt Zürich, wünscht sich nationale Lösungen. Wohin geht für Sie der Trend, was die Veranstaltungssicherheit angeht?

Innerhalb des Kantons Luzern fällt der Vergleich schwer, da wir die grösste Stadt mit den meisten Anlässen und der grössten Erfahrung sind. Was Herr Zemp vorhat, unterstützen wir sehr; einen städtischen Vergleich sehen wir als sinnvoll an. In Zürich läuft die Bewilligung von Veranstaltungen über die Polizei, in Basel über die Allmendverwaltung – also ganz anders als hier in Luzern. Wir haben etwa 1500 Veranstaltungen im Jahr, von einer Standaktion bis zur Grossveranstaltung. Der Trend geht zu immer mehr Veranstaltungen, vor allem im kleinen und mittleren Bereich.

TA 2015

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