Veranstaltungstechnik

Prüfen und Abnehmen von Veranstaltungstechnik

Bauten an Veranstaltungen werden immer umfangreicher und komplexer. Mit der Prüfung und Kontrolle sind die zuständigen Stellen wie z. B. Behördenvertreter, die Feuerpolizei, der Veranstalter oder dessen Beauftragte (Infrastrukturverantwortliche oder Sicherheitsdienstleister) oft überfordert. Meist mangelt es an Zeit, sich mit diesem Gebiet intensiv auseinanderzusetzen, sowie an Ausbildungen und Wissen auf diesem Gebiet. 

Allgemeine Informationen

Auf welche Weise kann nun Veranstaltungstechnik abgenommen und geprüft werden, ohne dass der Prüfer über Detailkenntnisse oder Fachwissen verfügt? Mit Hilfe der folgenden Kriterien können die wichtigsten sicherheitsrelevanten Bereiche überprüft werden.

Arbeitszeiten 
Hier gibt es die häufigsten Verstösse mit teils gravierenden Folgen. Übermüdete Mitarbeiter neigen zu Fehlern, welche im Extremfall in tödlichen Unfällen enden können. Verschärft wird die Situation dadurch, dass in der Veranstaltungstechnik mit Tagessätzen gearbeitet wird. In der Praxis kommen so schnell 10 bis 12 oder mehr Stunden zusammen, die ein Mitarbeiter am Stück arbeitet. Da in dieser Branche sehr viel auf freie Mitarbeiter zurückgegriffen wird, ist selbst dem Personalverantwortlichen einer Veranstaltungstechnik-Firma nicht bekannt, wie viele Stunden/Tage ein Mitarbeiter zuvor bereits auf einer anderen Produktion gearbeitet hat. Man sollte sich die disponierten Zeiten vorlegen lassen und bei Widersprüchen einen Mitarbeiter auch einmal direkt nach seinem Arbeitspensum fragen. Für die Veranstaltungstechnik gilt seit September 2014 der neue Artikel 43a Arbeitsgesetz für Veranstaltungsdienstleistungsbetriebe.

Fachwissen
Jede Veranstaltung benötigt Strom. Die Installation, Prüfung und Inbetriebnahme von elektrotechnischen Anlagen ist Sache von Elektrofachkräften. Beim Rigging (Aufhängen von Lasten) ist u. a. Wissen über Statik gefragt. Alles, was über zwei Kurbellifte oder zwei Hängepunkte pro Traversenstrecke hinausgeht, sollte durch einen professionellen Rigger montiert werden. Für den Einsatz von Pyrotechnik wird neben der entsprechenden Abbrand-Genehmigung ausgebildetes Pyrotechnik-Personal benötigt. Showlaser dürfen ebenfalls nur von ausgebildeten Personen betrieben werden. Eine verantwortliche Person für die Haus- und Sicherheitstechnik sollte vom Betreiber zur Verfügung gestellt werden, denn externe Veranstaltungstechniker sind in der Regel nicht bis ins letzte Detail mit den Gegebenheiten eines Hauses vertraut.

Outdoorveranstaltungen
Wind und Gewitter sind ein besonderes Risiko für Bühnen mit Seitenteilen und Dächern. Es sollte im Vorfeld bekannt sein, ab welcher Windlast der Bühnenbetrieb eingestellt werden muss. Moderne Bühnen verfügen über rückwärtige Windklappen, welche sich bei einer Windböe automatisch öffnen. Weitere Möglichkeiten sind Reissleinen, mit denen sich die Seiten und rückwertigen Verkleidungen entfernen lassen. 

Lifte 
Traversenlifte haben vier Ausleger und können je nach Bauart (Typenschild) bis zu 100 kg tragen. Bei der Benutzung ist es unerlässlich, dass alle vier Ausleger montiert und arretiert werden. Kurbelstative haben drei Füsse und können je nach Bauart bis zu 60 kg tragen. Sowohl bei Stativen als auch bei Liften ist darauf zu achten, dass diese immer senkrecht stehen. Stative stellen eine Stolperfalle dar und haben einen sehr hohen Schwerpunkt, weshalb sie sehr kippgefährdet sind. Schwarz-gelbe Markierungen an Auslegern/Füssen können deshalb im Publikumsbereich unzureichend sein. Unter Umständen muss der Fuss zusätzlich abgeschrankt werden. Traversenlifte und Stative sollten jährlich einer Sicherheitskontrolle unterzogen werden. Ein Prüfsiegel gibt Auskunft, ob diese erfolgt ist.

Beschallungsanlagen
Lautsprecheranlagen können Gehörschäden verursachen. Oberhalb von 93db (A) müssen Massnahmen gemäss der Schall- und Laserverordnung getroffen werden. Bei Konzerten wird dieser Pegel in der Regel immer überschritten. Eine weitere Gefahr ist die Übertönung von Alarmierungsanlagen. Wird die Beschallungsanlage selbst als Alarmierungsanlage verwendet, muss sie redundant ausgelegt sein. Das heisst, die Funktionsfähigkeit muss auch bei Stromunterbruch gewährleistet sein.

Beleuchtung
Scheinwerfer können Personen blenden. Wer nicht sieht, kann stolpern oder (von der Bühne) fallen. Bühnenauftritte von Laien sollten deshalb immer geprobt werden. Scheinwerfer können aufgrund ihrer hohen Wärmestrahlung auf alle Seiten eine Brandgefahr darstellen. Sehr eng abstrahlende Moving Lights (z. B. der Sharpy von Clay Paky oder Robin Pointe von Robe) können bei Entfernungen zwischen Scheinwerfer und brennbarem Material von weniger als 12 m durch ihren fokussierten Lichtstrahl Brände auslösen.

Showlaser
Laseranlagen sind für den Laien nur schwer zu beherrschen, sie dürfen deshalb nur von Personen mit Fachkenntnis betrieben werden. An jedem Laser und der Steuereinheit muss ein „Not-Aus“-Schalter vorhanden sein, der die komplette Anlage abschaltet. Laserpointer der Klassen 3b und 4 dürfen nicht verwendet werden.

Rigging
Traversen, welche sich stark durchbiegen, werfen die Frage auf, ob mit der Statik alles in Ordnung ist. Grundsätzlich spricht ein statischer Nachweis für ein gewisses Mass an Sicherheit. Die Verbindungen der Traversen sollten trotzdem stichprobenartig auf die vollständige Montage von Splinten und Bolzen kontrolliert werden. Motoren sollten ein gültiges Prüfsiegel haben; brennbare Aufhängungen wie Rundschlingen müssen mit Stahlseilen oder Ketten gesichert werden. Achtung: Es gibt inzwischen auch Rundschlingen mit Stahlseilen, diese müssen nicht zusätzlich gesichert werden. Sämtliche an einer Traverse oder über Kopfhöhe befestigten Gegenstände (Scheinwerfer, Lautsprecher, Beamer) müssen durch eine Sekundärsicherung in Form eines Stahlseils oder einer Kette gesichert sein. Bei ortsveränderlichem Equipment muss immer von einer Materialermüdung oder einem sonstigen Fehler ausgegangen werden, weshalb zwei voneinander unabhängige Befestigungen zwingend erforderlich sind.

Strom
Elektrotechnische Anlagen müssen vor Inbetriebnahme geprüft werden. Die Prüfung sollte protokolliert werden. Alle elektrischen Betriebsmittel, insbesondere Stromverteiler, sollten einer jährlichen Prüfung unterzogen werden, welche anhand von Prüfetiketten auf den Geräten nachvollziehbar ist. Stromkreise bis CEE32A sollen mit einem RCD (ehemals FI; Fehlerstrom-Schutzschalter) versehen sein.

Bühne
Bühnen müssen den zu erwartenden Belastungen standhalten. Das heisst, die Dimensionierung (Belastung) ist abhängig vom Programm. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob auf einer Bühne eine Lesung stattfindet oder eine Tanzgruppe auftritt. Mobile Bühnenelemente müssen gegen Auseinandergleiten gesichert sein. Ab einem Meter Höhe ist seitlich und rückwärtig ein Geländer anzubringen. Spalten im Bühnenboden dürfen nicht breiter als 1 cm sein, wobei schon ein solcher Spalt eine Gefährdung für Trägerinnen von Stöckelschuhen darstellen kann.

TA 2015

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